Plan B, Modellierung von Bitcoins Wert mit Stock-to-Flow

Satoshi Nakamoto veröffentlichte das Bitcoin Whitepaper am 31. Oktober 2008 [1], erschuf den Bitcoin Gensis Block am 03. Januar 2009 und veröffentlichte den Bitcoin Code am 08. Januar 2009. So begann die Geschichte die uns zu dem heutigen Bitcoinmarkt mit einem Wert von 70 Milliarden USD $ bringt.

Bitcoin ist das erste endliche/begrenzte digitale Objekt der Welt. Es ist endlich wie Gold und Silber und kann über das Internet, Radio und Satellit versendet werden.

„Als Gedankenexperiment: Stellen sie sich vor es gäbe ein unedles Metall welches so selten und begrenzt wie Gold wäre, aber mit den folgenden Eigenschaften: langweilig grau in der Farbe, kein guter elektrischer Leiter, nicht besonders Widerstandsfähig […], nicht hilfreich für irgendwelche praktischen oder dekorativen Anwendungen … und mit einer speziellen, magischen Eigenschaft: Es kann über einen Kommunikationsweg transportiert werden“ — Nakamoto

Mit Sicherheit hat dieses seltene digitale Objekt einen Wert. Aber wie hoch ist dieser? In diesem Artikel soll die „Seltenheit“ von BTC quantifiziert werden. Dazu soll das „Stock to Flow“ Model verwendet werden.

Knappheit und Stock-to-Flow

Knappheit wird in Wörterbüchern üblicherweise mit einem „Mangel“ an etwas definiert. Das Wort Rarität wäre in diesem Kontext auch ein Synonym.

Nick Szabo hat eine bessere Definition von Knappheit: Die des „unfälschbaren Kostenaufwands“

„Was haben Antiquitäten, Zeit und Gold gemeinsam? Sie sind teuer, entweder durch ihre Anfangskosten oder durch die Einzigartigkeit ihrer Geschichte. Dabei ist es schwer diesen Kostenaufwand zu fälschen. […] Es gibt einige Probleme diesen „unfälschbaren Kostenaufwand“ in einem Computer zu implementieren. Wenn diese Hürde überwunden werden kann, dann können wir digitales Gold erschaffen.“ — Szabo

„Seltene Metall und Sammlerstücke haben unfälschbare Seltenheit dank des Kostenaufwands ihrer Erschaffung. Diese Eigenschaft gab einst Münzgeld seinen Wert, ohne die Kontrolle durch Dritte. […] [aber] man kann online nicht mit Edelmetallen zahlen. Deshalb wäre es schön, wenn es ein Protokoll gäbe welches Datenpakete mit einem unfälschbaren Kostenaufwand online erzeugen könnte, ohne die Abhängigkeit von Dritten. Diese Daten müssen dann sicher verwahrt, transferiert und überprüft werden können, ebenfalls ohne das Vertrauen auf Dritte. Diese Daten könnten dann als digitales Gold angesehen werden.“ — Szabo

Bitcoin besitzt diesen unfälschabren Kostenaufwand, denn es kostet eine Menge Elektrizität neue Bitcoins zu erschaffen. Die Erschaffung von Bitcoin kann nicht einfach gefälscht werden. Beachten sie, dass dies ein fundamentaler Unterschied zu herkömmlichen Fiatwährungen ist. Aber auch Altcoins ohne fixe Obergrenze, ohne Proof-of-Work (PoW), geringen Hashraten oder bei denen eine kleine Gruppe von Leuten oder Firmen die Menge an Coins beeinflussen kann.

Saifedean Ammous beschreibt Seltenheit mit dem Stock-to-Flow Verhältnis (SF). Er erklärt warum Gold und Bitcoin anders sind als Kupfer, Zink, Nickel, Messing, denn Gold und Bitcoin haben hohe SF.

„Für jede Verbrauchsware [gilt]: wird die Produktion verdoppelt wird das die aktuellen Bestände winzig erscheinen lassen, was zu einem Kollaps des Preises führt und den Besitzer dieser Waren finanziell schaden würde. Für Gold wäre eine Preisspitze, die zu einer Verdopplung der jährlichen Produktion führt, unbedeutend. Es würde die Bestände gerade einmal um 3 % statt 1,5 % erhöhen.“

„Es ist dieser durchgehend niedrige Zuwachs an Gold welcher der fundamentale Grund ist, dass Gold seine monetäre Rolle durch die Menschheitsgeschichte aufrechterhalten hat.“

„Die hohe Stock-to-Flow Ratio, also das hohe Verhältnis von Bestand zu jährlichem Zuwachs, macht Gold zu dem Gut mit der geringsten angebotsabhängigen Preiselastizität.“

„Die Bitcoinbestände in 2017 waren runde 25 mal größer als alle neuen produzierten Bitcoins in 2017. Das liegt immer noch unter der Hälfte des Verhältnisses von Gold. Aber um das Jahr 2022 wird Bitcoins Stock-to-Flow ratio die von Gold übertreffen“ — Ammous

Auf diese Weise kann Knappheit und Seltenheit mit SF quantifiziert werden.

SF = Stock/flow = Bestand / Zuwachs

Stock beschreibt den aktuellen Bestand an Vorräten und Reserven. Flow ist die jährliche Produktion des Gutes. Statt SF wird auch die supply growth rate verwendet (flow/stock). SF entspricht dabei

SF = 1 / supply growth rate.

Betrachten wir nun einige SF Zahlen (Abb. 1)

Gold besitzt die höchste SF von 62, es braucht also 62 Jahre an Produktion, um den aktuellen Bestand an Gold zu erhalten. Silber erreicht den zweiten Platz mit SF 22. Diese hohen SF machen sie zu monetären Gütern.

Palladium, Platinum und alle anderen Güter haben SF von knapp über 1. Der aktuelle Vorrat ist meist gleich oder niedriger als die Jahresproduktion, was die Produktion zu einem entscheiden Einflussfaktor macht. Es ist fast unmöglich für diese Güter einen höheren SF zu bekommen, weil sobald jemand beginnt sie zu horten steigen die Preise, die Produktion wird erhöht und Preise fallen wieder. Es ist sehr schwer dieser Spirale zu entkommen.

Bitcoin hat zurzeit einen Vorrat an 17.5 Millionen Coins und eine „Produktion“ von 0.7 Millionen pro Jahr was ein SF 25 ergibt. Das macht Bitcoin zu einem monetären Gut wie Silber oder Gold. Bitcoins Marktwert ist beim aktuellen Preis 70 Milliarden USD $.

Der Zuwachs an Bitcoins ist limitiert. Neue Bitcoins werden mit jedem Block erschaffen. Blocks werden alle 10 Minuten (im Mittel) kreiert, immer dann, wenn ein Miner den Hash findet, der die PoW Vorgabe für einen validen Block erfüllt. Die erste Transkation in jedem Block, „coinbase“ genannt, enthält die Belohnung („block reward“) für den Miner der den Block gefunden hat. Die Blockbelohnung enthält die Gebühren, die Leute für Transaktionen in diesem Block zahlen und die neu erschaffenen Coins („subsidy“ genannt). Diese Subsidy startete mit 50 Bitcoins und halbierte sich alle 210000 Blöcke (ungefähr 4 Jahre). Das ist der Grund warum „halvings“ (Halbierungen) sehr wichtig für Bitcoins Geldmenge und SF sind. Diese Halvings führen dazu, dass der Zuwachs an neuen Coins (im Kontext von Bitcoin oft Inflation „monetary infaltion“ genannt) stufenförmig und nicht glatt verläuft.

Abb. 2: Zuwachs an Bitcoins über die Anzahl der Blöcke (blau), die damit einhergehende Entwertung (orange) findet stufenförmig nach jedem Halving statt

Stock-to-Flow und Wert

Die Hypothese dieser Studie ist es, dass Knappheit, gemessen durch SF, direkt den Wert eines Gutes beeinflusst. Ein Blick in die obere Tabelle (Abb. 1) bestätigt, dass Marktwerte dazu tendieren, höher zu liegen, wenn SF höher liegt. Der nächste Schritt ist es nun Daten zu sammeln und ein statistisches Modell zu entwerfen.

Daten

Bitcoins monatlicher Wert und SF wurden von Dezember 2009 bis Februar 2019 (111 Datenpunkte insgesamt) berechnet. Die Anzahl an Blöcken pro Monat kann direkt von der Bitcoin Blockchain, mit Python/RPC/bitcoind, abgefragt werden. Die wirkliche Anzahl an Blöcken weicht ein Stück von der theoretischen Anzahl ab, da Blöcke nicht exakt alle 10 Minuten erzeugt werden (zum Beispiel wurden im ersten Jahr 2009 signifikant weniger Blöcke erzeugt). Mit der Anzahl an Blöcken pro Monat und der bekannten Blockbelohnung in jedem Block kann man die Stock-to-Flow ratio berechnen. Die Daten wurden um verlorengegangene Coins bereinigt, in dem die erste 1 Millionen Coins (7 Monate) aus der Berechnung ausgelassen wurden. Eine genaueres Einbeziehen von verlorene Coins wird Teil zukünftiger Recherche sein.

Daten über Bitcoinpreise sind von verschiedenen Quellen verfügbar aber starten erst im July 2010. Die ersten bekannten Bitcoinspreise wurden hinzugefügt und interpoliert (1$ für 1309 BTC im Oktober 2009; erster Rate von 0.003$ auf BitcoinMarket im März 2010; Zwei Pizzen im Wert von 41$ für 10000 BTC im Mai 2010). Das Einbeziehen von mehr „historischen“ Daten wird Teil zukünftiger Recherchen sein.

Die Datenpunkte für Gold (SF 62, Marktwert 8,5 Billionen USD$) und Silber (Sf 22, Marktwert 308 Milliarden USD$) sind bekannt und wurden als Vergleichsgröße herangezogen.

Model

Ein erstes Streudiagramm mit SF gegen den Marktwert zeigt, dass eine logarithmische Skala zur Darstellung vorteilhaft ist, da die Werte sich über 8 Größenordnungen erstrecken (von 10.000 USD$ bis 100 Milliarden USD$). Die Verwendung der logarithmischen Achse zeigt einen linearen Zusammenhang zwischen dem ln(SF) und ln(Marktwert) auf. Zur Darstellung wurde der natürliche Logarithmus verwendet der Log10 würde aber ähnliche Ergebnisse liefern.

Abb. 3: Bitcoins SF Model für die Berechnung des Marktwertes, die SF und Marktwerte von Silber und Gold folgen demselben Trend. Blaue Datenpunkte sind kurz vor, rote kurz nach dem Halving. Mit dem Halving ändert sich das SF von Bitcoin schlagartig weshalb Sprünge in der Grafik zu sehen sind.

Ein Fit mithilfe der linearen Regression zeigt was schon mit dem bloßen Auge sichtbar ist: ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen SF und Marktwert (95% R2, Signifikanz von F 2.3E-17, p-Wert der Steigung von 2.3E-17). Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Beziehung zwischen SF und Marktwert durch Zufall erzeugt wurde ist nahe Null. Natürlich haben aber auch andere Faktoren einen Einfluss auf den Preis, z.B. Regularien, Hacks und andere Nachrichten, dass ist der Grund warum R2 nicht 100 % ist und nicht alle Datenpunkte auf der schwarzen Linie liegen. Nichts destotrotz scheint der Hauptgrund die Knappheit/SF zu sein.

Sehr interessant ist zu sehen, dass Gold und Silber, welche völlig andere Märkte sind, im Einklang mit dem Bitcoin Model für SF sind. Das gibt zusätzliches Vertrauen in das Model. Beachten sie, dass zu Beginn des Bullenmarktes im Dezember 2017 Bitcoins SF bei 22 und Bitcoins Marktwert bei 230 Milliarden USD$, sehr nahe bei dem von Silber lag.

Da Halvings einen hohen Einfluss auf Sf haben, wurden die Monate bis zum nächsten Halving als Farbcode in dem Graphen eingefügt. Dunkelblau ist der Monat des Halvings und Rot ist kurz nach dem Halving. Das nächste Halving wird im Mai 2020 eintreten. Das aktuelle SF 25 wird sich auf SF 50 verdoppeln, was nahe an Gold ist (SF 62).

Der vorhergesagte Marktwert für Bitcoin nach dem Mai 2020 Halving ist 1 Billion USD$ was zu einem Bitcoinpreis von 55000 USD$ führen würde. Das ist ziemlich spektakulär. Die Zeit wird zeigen, ob sich diese Prognose bewahrheiten wird. Vermutlich werden wir es in ein oder zwei Jahren wissen, nach dem Halving in 2020 oder 2021.

Ergänzung zum Original

Im Original wurde Abb. 3 für das Stock-to-Flow Model verwendet. Mittlerweile ist eine neuere Version von PlanB erschienen. Darin wurde SF von Silber auf 3 korrigiert und der Markt für Dimanten als Vergelichswert hinzugefügt.

Quelle: Plan B Bearbeitet von: Richard Hulsebos

1 Kommentar

  1. wenn Plan B mit seinem S2F richtig ist, dann sieht die sehr nahe Zukunft sehr gut aus!

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